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„Wohnen im Alter“ – Fachtagung der Gemeinnützigen Bauvereinigungen Salzburgs

27.05.19  

Die Bevölkerung in Österreich wächst und wird älter. Diese demografische Entwicklung in Österreich hat ganz wesentliche Auswirkungen auf beinahe alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens.

Vor allem aber auch auf das Wohnen. Wie unsere Senioren künftig wohnen werden und welche Wohnformen verstärkt gebraucht werden, damit beschäftigten sich Experten im Rahmen der Fachtagung der Gemeinnützigen Bauvereinigungen Salzburgs am 27. Mai 2019 im Bildungshaus St. Virgil. „Der demographischen Entwicklung unserer Bevölkerung muss auch mit altersspezifischen Wohnformen entsprechend Rechnung getragen werden. Denn ein hohes Lebensalter im Zeitalter einer modernen Medizin ist keinesfalls mit Gebrechlichkeit gleichzusetzen. Die Senioren von heute sind nicht nur hinsichtlich ihrer Freizeitgestaltung fitter und aktiver denn je zuvor, sondern auch beim Wohnen sehr selbstständig“, erklärte GBV-Obmann Dir. Dr. Christian Wintersteller.

Die Salzburger Gemeinnützigen stellen jedes Jahr eine Vielzahl an Betreuten Wohnungen fertig. „Diese Wohnform ist heute besonders gefragt, denn sie ermöglicht vielen Senioren dank der Möglichkeit einer graduell abgestimmten Betreuung durch Hilfsorganisationen ein selbständiges Leben bis ins hohe Alter. Denn oft bedarf es nur geringer Hilfestellungen, um unabhängig seinen Alltag bewältigen zu können“, stellte GBV-Obmann-Stv. Dir. Markus Sturm fest.

 

Die Altersstruktur der Bevölkerung im Wandel

Dr. Gernot Filipp, Leiter Landesstatistik und Verwaltungscontrolling, sprach die unterschiedlichen Auswirkungen des demografischen Wandels auf unsere Gesellschaft an: „Eine der bedeutendsten Folgen ist die Veränderung der Altersstrukturen in der Bevölkerung. Die Bevölkerung wird weiter wachsen und es wird vor allem die Anzahl der älteren und hochbetagten Menschen stark ansteigen.“

Nachdem das „Risiko“ der Pflegebedürftigkeit mit dem Alter stark zunimmt, wird auch die Zahl der zu pflegenden und betreuenden Personen zukünftig stark zunehmen. „Dies hat in weiterer Folge auf die Anzahl der benötigten „Wohnplätze“ zur Betreuung pflegebedürftiger Menschen entsprechende Auswirkungen. Es werden nicht nur der Bedarf an Plätzen in Seniorenwohnheimen oder die Leistungen im Bereich der Hauskrankenpflege stark steigen, sondern wahrscheinlich auch der Bedarf an neuen und seniorengerechten Wohnformen im Alter“, so der leitende Landesstatistiker.

Auch die zunehmende Tendenz zu kleineren Haushaltsgrößen wirkt sich auf den Wohnungsmarkt aus. Dr. Filipp: „Dieser Trend folgt auch aus dem Strukturwandel von Formen des Zusammenlebens und geänderten familiären Verhältnissen. Speziell die Anzahl alleinlebender Menschen im Alter wird stark ansteigen und entsprechende Bedürfnisse für geeignete Wohnformen schaffen.“

Mittelfristig wird weiters die Zahl der älteren Menschen mit eigenen Kindern aufgrund der in den letzten Jahrzehnten gesunkenen Fertilitätsraten sinken, was sich wiederum auf das notwendige Angebot an informellen Pflegeleistungen und die Möglichkeiten der Betreuung älterer Menschen auswirken wird.

 

Senioren leben in unpassenden Wohnungen

Erkenntnisse aus seiner jüngsten Studie „Seniorenwohnen – Marktbericht Österreich 2018/19“ präsentierte FH-Doz. Dr. Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien Bauen und Wohnen. Der Immobilienforscher bestätigt auch die Zunahme alleine lebender Personen in einer Wohnung: „Die Singularisierung setzt mit 40 ein und ab 70 dominieren Singles vor allem bei den Frauen. Hinzu kommt eine ausgeprägte Armutslage, zum Beispiel bei älteren Frauen mit Mindestpension.“
Bis 2030 werden rund 23 Prozent der österreichischen Bevölkerung älter als 65 Jahre alt sein und dieser Anteil wird bis 2040 auf rund 26 Prozent steigen. Während „junge“ Senioren nur einen geringen Pflegebedarf haben, steigt dieser ab einem Alter von 80 Jahren stark an. Nur rund drei Prozent der 70jährigen leben in einem Pensionisten- oder Pflegeheim. Daher wird Betreutes Wohnen hierzulande immer wichtiger. Allerdings leben viele Senioren heutzutage sehr häufig in Wohnungen und Häuser mit Barrieren und mit weit überdurchschnittlicher Wohnfläche pro Person, die weit über ihre Bedürfnisse hinausgehen. Trotzdem ortet Amann nur eine beschränkte Bereitschaft zum Umzug.

FH-Doz. Dr. Amann streicht sowohl den Komfortgewinn von Betreutem Wohnen gegenüber normalen Wohn- und Pflegeformen als auch die Kostenvorteile gegenüber stationärer Pflege ganz klar heraus. Österreichweit gibt es derzeit rund 16.000 Betreute Wohneinheiten und den 10-Jahres-Bedarf an seniorengerechten Neubauten sieht der Immobilienforscher bei rund 87.000 Wohneinheiten.

 

Alt werden in den eigenen vier Wänden

Die Wichtigkeit für die Menschen, in der eigenen Wohnung und im gewohnten unmittelbaren Wohnumfeld älter zu werden, sprach MMag. Michael König, Geschäftsführer des Diakoniewerks Salzburg und Tirol an: „Aufgrund der bekannten demografischen Entwicklungen werden die damit zu lösenden steigenden Betreuungs- und Pflegebedarfe, aber auch die Bedürfnisse noch nicht betreuungsbedürftiger älterer Menschen mit den bisherigen Zugängen nicht gelöst werden können.“ Der derzeitige Fokus liege einerseits auf barrierefreien und damit altenfreundlichen Wohnkonzepten und dem verstärkten Einsatz von assistierenden Technologien, andererseits im Bereich des Sozialwesens auf dem Ausbau von Dienstleistungen für betroffene ältere Menschen und deren Angehörige.

„Das Konzept der Sozialraumorientierung geht jedoch über die herkömmliche Einzelfallbetrachtung hinaus. Angewendet auf das Thema „Wohnen im Alter“ geht es dabei darum, Lebenswelten altersfreundlich zu gestalten und Verhältnisse zu schaffen, die es Menschen ermöglichen, möglichst lange zuhause bleiben zu können“, so König.

„Zu den fünf Prinzipien der Sozialraumorientierung zählen unter anderem die strukturelle Verzahnung von Wohnbau und Sozialwesen, soziale Konzeptionen bei der Entwicklung von neuen Wohnquartieren mit der Leitfrage „Was unterstützt das Entstehen sozialer Beziehungen bzw. deren Pflege?“, soziale Startbegleitungen und dauerhafte Wohnkoordinationen zur Aktivierung des sozialen Kapitals und von Selbsthilfekräften in Wohnquartieren, Reglements für eine gesicherte Finanzierung dieser Angebote, barrierefreie Sozialräume, in materieller wie in immaterieller Hinsicht oder Regelungen für Betreutes Wohnen mit einem sozialräumlichen Ansatz“, konkretisiert König.
Als Beispiele in der Stadt Salzburg nannte Diakoniewerk-Geschäftsführer MMag. König die Wohnquartiere „Rosa Zukunft“, „Lebenswelt Aigen“ oder den „Freiraum Gneis“. Sozialraumorientierte Konzepte werden aber auch in jenen Stadtteilen umgesetzt, in denen ein Bewohnerservice existiert.

 

 

B I L D T E X T E:

Bild "Fachtagung 1":

V.l.n.r.: LAbg. Josef Scheinast, MMag. Michael König, LAbg. Klubobfrau Mag. Dainiela Gutschi (GF Sbg. Hilfswerk), Dr. Gernot Filipp, Doz. Dr. Wolfgang Amann, Obmann-Stv. Dir. Markus Sturm, Obmann Dir. Dr. Christian Wintersteller.

 

Bild "Fachtagung 2":

Podiumsdiskussion mit LAbg. Klubobfrau Mag. Dainiela Gutschi (GF Sbg. Hilfswerk), Doz. Dr. Wolfgang Amann, Obmann-Stv. Dir. Markus Sturm und Obmann Dir. Dr. Christian Wintersteller (von links).

 

Bild "Fachtagung 3":

Die Vortragenden (v.l.) Obmann Dir. Dr. Christian Wintersteller (2.v.r.) und Obmann-Stv. Dir. Markus Sturm (3.v.r.) mit den Vortragenden Dr. Gernot Filipp (1.v.l.), Doz. Dr. Wolfgang Amann (2.v.l.) und  MMag. Michael König (1.v.r.).

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